Hochschule Magnolius – Die Blütezeit der Luise Maria Reifschneider

Die Hochschule Magnolius ist jedem Zauberer und jeder Hexe in Mitteleuropa ein Begriff. Seit ihrer Gründung durch Magnolius von Hohensolms im Jahre 1527, genossen unzählige Schülerinnen und Schüler eine qualitativ kaum zu überbietende Bildung in den Gemäuern der hochherrschaftlich Burg. In fast 494 Jahren Schulgeschichte erlebten Burg, Schüler und Kollegium so manche Höhen und Tiefen, auch die Kriege der Nimags zogen an Magnolius nicht unbemerkt vorbei und bis zum heutigen Tage bekleideten sieben sehr unterschiedliche Persönlichkeiten das Amt der Schulleitung.

Luise Maria Reifschneider

20 Jahre ist es her, dass der letzte Wechsel der Schulleitung auf Magnolius vollzogen wurde. Am 1.April 2000 räumte Oskar “der Reformer” von Ochsenstein seinen Posten an der Spitze unserer ehrwürdigen Hochschule und an seiner Stelle übernahm Luise Maria Reifschneider. Als erste Frau nach sechs männlichen Schulleitern fiel ihr der Start in dieses anspruchsvolle Amt nicht leicht, doch innerhalb weniger Jahre gelang es ihr, die bis dato anhaltende Durststrecke in eine strahlende Blütezeit zu wandeln. Nicht zuletzt durch die zu Beginn doch recht umstrittene Abschaffung der Biedukation an der Schule. Doch der Erfolg gibt ihr Recht. Und nun steht das 20-jährige Dienstjubiläum ins Haus, eine gute Gelegenheit, geimeinsam ein Résumé zu ziehen.

Ich besuche Fräulein Reifschneider auf Magnolius. Ich lasse es mir nicht nehmen und betrete das Gebäude zu Fuß. Das alte Gemäuer hat nichts von seiner ehrfurchtgebietenden Gestalt eingebüßt, im Gegenteil. 

Fräulein Reifschneider treffe ich im Burghof, wo sie höchstpersönlich die Vorbereitungen für das nahende Fest überwacht. Sie begrüßt mich sofort lächelnd.

 

 

 

Leroy Lewenstreu: Ich grüße Sie Fräulein Reifschneider. Das sieht ja wunderprächtig aus. Da muss eine ganze Menge Arbeit drinstecken. 

Luise Maria Reifschneider: Herr Lewenstreu, schön Sie in der Burg zu unseren Feierlichkeiten begrüßen zu dürfen. Ich freue mich, dass Sie die Zeit gefunden haben.

LL: Aber gerne doch Fräulein Reifschneider, wie könnte ich eine Gelegenheit auslassen, meiner hochherrschaftlichen Alma Mater einen Besuch abzustatten, vor allem wenn ein solch fulminates Fest ansteht. An dieser Stelle möchte ich ihnen herzlichst zu ihrem 20-jährigen Dienstjubiläum gratulieren.

LMR: Vielen Dank, das ist sehr aufmerksam von Ihnen.

LL: Wenn man die festliche Deko beiseite lässt hat sich an dem seit meinem erst kürzlich erlangten Abschluss  gar nicht so viel verändert. Großartig. 

LMR (lächelt wohlwollend): Wenn Sie möchten, können wir während unseres Gesprächs einen Rundgang durch die vertrauten Gemäuer machen und Sie können sich selbst davon überzeugen, ob wirklich alles beim Alten geblieben ist. 

LL: Sehr gerne, sehr gerne Fräulein Reifschneider. Bei unserem letzten Gespräch, das, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, viel zu lange her ist, unterhielten wir uns über die neuen Lehrkonzepte, die Sie an dieser Hochschule einführten. Können Sie von Erfolgen berichten?

LMR: Ja durchaus. Unter Anderem haben wir es geschafft das veraltete Lehrkonzept der Biedukation aus Zeiten der Spätrenaissance endlich durch ein zeitgemäßes Konzept der Koedukation zu ersetzen.

LL: Ich verstehe. Sie meinen also, dass die Geschlechtertrennung im Unterricht nun endgültig aufgehoben ist?

LMR: Korrekt. Zu unserer allergrößten Freude nehmen wir zur Kenntnis, dass sowohl unsere männlichen, weiblichen und diversen Schülerinnen und Schüler an diesem Konzept wachsen und nicht nur miteinander, sondern auch voneinander lernen.

LL: Fabelhaft. Diese Idee verfolgte auch schon ihr Vorgänger, doch zu einer Umsetzung ist es aufgrund teils massiven Widerstands lange Jahre nicht gekommen, woher nahmen Sie die Energie, das Konzept der Koedukation bei ihrem Dienstantritt im Jahre 2000 durchzusetzen?

LMR: Durch den immer lauter werdenden Schrei, dass unsere Schulkonzepte veraltet seien und die rasant sinkenden Anmeldezahlen, sahen mein Vorgänger und ich uns gezwungen, altes Lehrpersonal, das sich neuen Ideen verweigerte, zu entlassen. Unsere jungen Kollegen und Kolleginnen, die aktuellen Entwicklungen offen entgegen sehen, haben sich als wertvolle Stützen im ursprünglichen Lehrgedanken der Magnolius Hochschule erwiesen.

LL: Die Entlassungswelle war damals in aller Munde und nicht alle unsere Leser und Leserinnen waren einverstanden mit diesem Schritt, ganz im Gegenteil. Haben Sie jemals den Unmut der Bevölkerung zu spüren bekommen?

LMR: Zu Beginn schon. Da gab es viele böse Briefe, sogar an den Wochenenden, doch nachdem immer mehr zufriedene und erfolgreiche Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss bei uns machten und positiv von ihrer Zeit auf Magnolius berichteten, würde ich sagen, wir sind mit unserem neuen Konzept bei den Familien angekommen und akzeptiert.

Es mag sicherlich auch heute noch Leute geben, die diese Schritte zu drastisch fanden, doch sie waren notwendig. Und ein Großteil der Bevölkerung kann dies mittlerweile sehr gut nachvollziehen.

LL: Aber nach wie vor gibt es Familien, die ihre Sprösslinge nicht mehr nach Magnolius schicken. Macht Sie das betroffen?

LMR: Nein. Das ist das gute Recht jeder Hexe und jedes Zauberers. Es gibt in ganz Europa großartige Schulen auf denen man sich ausbilden lassen kann. Je besser wir uns mit diesen international vernetzen, desto sicherer wird unser magisches Netzwerk.

LL: Ihre Ankündigung zur Abschaffung der Biedukation ist nicht das einzige, was ihren Antritt zur Direktorin der Hochschule am 1.April 2000 so besonders machte. Sie sind die erste Frau in dieser Position und bis heute jünger als all ihre Vorgänger. Hat das im Kollegium für Probleme gesorgt?

LMR: Dadurch, dass wir den Kollegen, die das nicht akzeptieren konnten anbieten konnten ihren Posten gegen eine gute Abfindung aufzugeben, war der Weg recht schnell geebnet, für ein Personal, dass diese Entscheidungen akzeptieren konnte.

LL: Wir. Das höre ich heute sehr oft von Ihnen. Meinen Sie damit sich und ihren Vorgänger, Oskar von Ochsenstein?

LMR: Ja. Wir haben viele Entscheidungen gemeinsam getroffen, vor allem in der Übergangsphase.

LL: Sie hatten ein gutes Verhältnis?

LMR: Ja. Bereits zu meinen Studienzeiten haben wir uns sehr gut verstanden. Er war als Professor und Schulleiter stets an uns allen interessiert, besonders an denen mit innovativen Ideen und sah es in seiner Verantwortung diese zu fördern.

LL: Soso. Nunja. Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Die Schule blühte nach ihrem Amtsantritt auf und hat heute beinahe doppelt so viele Schüler wie in den 1990er Jahren. Was sagt ihr großzügiger Förderer und Vorgänger, Oskar von Ochsenstein dazu? Haben Sie noch Kontakt? 

LMR: Wir haben leider keinen Kontakt mehr, denn für Professor Ochsenstein war seine Pensionierung der endgültige Abschied von Magnolius. Ich bin ihm sehr dankbar für all die Vorarbeit, die er geleistet hat, die es mir letztendlich ermöglicht, heute hier mit Ihnen als Schulleiterin von Magnolius zu sprechen, doch über unsere gemeinsamen Ideale hinaus verband uns keinerlei freundschaftliches Verhältnis.  

LL: Nicht mal eine Eule zu Weihnachten?

LMR: Bei unserer Verabschiedung hat er angekündigt, sich nach Japan zu begeben, um sich dort voll und ganz seiner Leidenschaft für Zen-Gärten zu widmen. Briefverkehr nach Fernost wäre selbst bei besten Wetterbedingungen und für gut geschulte Eulen nichts anderes als Tierquälerei. Und für neuartige Nimagtechnologien, wie E-Mail, ist Professor von Ochsenstein bei all seiner Offenheit nun wirklich zu alt. 

LL: Das habe ich auch einmal gedacht. Und nun gibt es den Waldschrat auch als Online-Ausgabe. Alte Prinzipien müssen manchmal einfach überdacht werden. Während ihr koedukatives Bildungskonzept mitunter kritisch gesehen wurde, waren sich bei einer ihrer Neuerungen alle einig. Die Vermeidungstrategien von Todesfolgen im Rahmen der Jahreseingangsprüfungen betitelte unser Tageblatt damals als “längst überfällig und sehnlichst erwartet”. Hat sich die Strategie durchgesetzt? Mir persönlich ist zumindest in diesem Jahrtausend kein Todesfall an der Hochschule zu Ohren gekommen.

LMR: Man sollte immer neue Wege in Betracht ziehen. Wir haben uns lange sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie wir die Letalitätsrate der Eingangsprüfungen minimieren können, ein Streitpunkt im Kollegium, aber letzten Endes sind wir gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, die Prüfungen weiterhin im Geiste von Magnolius aufrecht erhalten zu können, ohne dabei jemanden zu gefährden. Und wie sie selbst bereits angemerkt haben, gab es in diesem Jahrtausend noch keine Todesfälle, wir sind sehr froh und stolz, dass die Strategie so gut funktioniert.

LL: Bravo. Ein berechtigter Grund zu feiern. Was haben Sie für die Festgala am 1.April geplant? Gibt es besondere Programmpunkte?

LMR: Es ist uns gelungen, für die Abendstunden, die international erfolgreiche Band SCHALL UND RAUCH zu buchen….

LL: Nein!

LMR: Doch!

LL: Oh!

LMR: Außerdem, zur Freude aller Studierenden, wird es am 1.April keinen Unterricht geben. Stattdessen wird es den ganzen Tag über in der Schule verteilte Vergnügungen für und mit Familienangehörigen, Alumni und allen eingeladenen Besucherinnen geben. Wir freuen uns schon sehr auf das Spektakel in unserem ehrwürdigen Gemäuer. Kulinarisch wird natürlich auch einiges geboten. Gastronomen aus ganz Deutschland haben sich bereit erklärt, die Festgesellschaft mit allerlei magischen und unmagischen Leckereien zu versorgen und zum Höhepunkt des Abends kann ich Ihnen eine explosive Überraschung versprechen.

LL: Fantastisch. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein solches Festgelage auf Magnolius erlebt zu haben. Wie wollen Sie das zur 500Jahr-Feier in sieben Jahren überbieten?

LMR: Oh da wird uns bestimmt noch ganz viel neues einfallen. Denn wo ein Wille, da ein Weg.

LL: Ein grandioses Schlusswort Fräulein Reifschneider, Phänomenal! Ich bedanke mich vielmals für ihre kostbare Zeit und das überaus erquickende Gespräch.

LMR: Gerne, es hat mich gefreut, Sie in unserer Schule wieder begrüßen zu dürfen.

 

 

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